Digitalen Produktumfang vollständig erfassen
Dokumentieren Sie nicht nur das physische Gerät, sondern integrierte Software, Apps, Cloudfunktionen, KI-Modelle und verbundene Dienste, die für die Sicherheit oder Funktion relevant sind. Auch Komponenten von Zulieferern gehören in die Produktakte.
Ordnen Sie Versionen und Abhängigkeiten einem konkreten Verkaufs- oder Bereitstellungszeitpunkt zu. Eine aktuelle Komponentenliste allein zeigt nicht, was der Kunde zum maßgeblichen Zeitpunkt erhalten hat.
Rollen in Lieferkette und Softwareprozess klären
Hersteller, Importeur, Bevollmächtigter, Händler und Anbieter einer digitalen Komponente können unterschiedlich betroffen sein. Verträge sollten Informations-, Update- und Mitwirkungspflichten abbilden, ohne gesetzliche Verantwortung unzulässig auf Kunden zu verlagern.
Prüfen Sie White-Label-Produkte und wesentliche Änderungen besonders. Wer ein Produkt unter eigenem Namen anbietet oder maßgeblich verändert, kann eine andere Rolle einnehmen als ein reiner Wiederverkäufer.
Sicherheit über Updates und Lernverhalten betrachten
Ein Produkt kann sich durch Softwareupdates, fehlende notwendige Sicherheitsupdates oder Änderungen eines lernenden Systems nach Bereitstellung verändern. Die Richtlinie berücksichtigt, dass Fehlerhaftigkeit nicht nur aus dem ursprünglichen Fertigungszustand entsteht.
Definieren Sie Supportzeitraum, Updateentscheidung, Testumfang, Rollback und Nutzerinformation. Wenn ein Nutzer ein bereitgestelltes Sicherheitsupdate nicht installiert, muss trotzdem nachvollziehbar sein, wann und wie es angeboten und erklärt wurde.
- Freigegebene Software- und Modellversion
- Sicherheits- und Funktionstests
- Bekannte Risiken und vorgesehene Nutzung
- Updateverlauf und Nutzerkommunikation
- Komponenten- und Lieferantennachweise
Produktinformation und Marketing konsistent halten
Produktseite, Anleitung, App und Verpackung müssen dieselben Fähigkeiten, Grenzen und Systemvoraussetzungen nennen. Überzogene KI- oder Automatisierungsversprechen können Erwartungen erzeugen, die das reale Produkt nicht erfüllt.
Warnhinweise ersetzen kein sicheres Design. Sie erläutern verbleibende Risiken und richtige Nutzung. Änderungen an Texten werden versioniert, damit die beim Verkauf sichtbare Information später belegt werden kann.
Vorfall- und Auskunftsprozess vorbereiten
Bei einem Schaden müssen Unternehmen Produktversion, Bestellung, bekannte Fehler, Updates und Lieferkette schnell zuordnen können. Legen Sie Aufbewahrung, Zugriff und Verantwortliche fest. Personenbezogene Daten werden dabei zweckgebunden geschützt.
Recht, Versicherung, Produktsicherheit, Entwicklung und Support üben einen Musterfall. Die Richtlinie enthält auch Regeln zur Offenlegung von Beweismitteln; unstrukturierte oder widersprüchliche Unterlagen erhöhen deshalb das operative Risiko.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Gilt Produkthaftung künftig auch für Software?
Die neue EU-Richtlinie bezieht Software ausdrücklich in den Produktbegriff ein. Die konkrete Haftung hängt weiterhin von Fehler, Schaden, Kausalität und Rolle ab.
Ab wann gelten die neuen Regeln?
Die Mitgliedstaaten müssen bis 9. Dezember 2026 umsetzen. Die Richtlinie sieht die Anwendung auf Produkte vor, die nach diesem Datum in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden.
Sind kostenlose Open-Source-Projekte erfasst?
Freie Open-Source-Software außerhalb einer gewerblichen Tätigkeit ist nach der Richtlinie ausgenommen. Kommerzielle Einbindung und weitere Rollen müssen getrennt bewertet werden.



